100 Jahre Entfestigung – Januar 1921

Das Ende der Haupt-Sprengarbeiten und der Fall der Kehlmauern

Der Großteil der Sprengungen an der Feste Kaiser Franz fand tatsächlich im November und Dezember 1920 statt, wofür ca. 6,58 t Sprengmunition verwendet wurden.(1) Gesprengt wurden hauptsächlich die inneren und äußeren Grabenwände – letztere allerdings nur am linken Graben und einem Teil des Frontgrabens – und die drei Grabenwehren. In den folgenden Monaten wurde nur noch sporadisch gesprengt, sodass bis von Januar bis Ende April lediglich 239 kg und von Mai bis zum Ende der Maßnahmen im Juli 1921 nochmal 37 kg Sprengmunition und 85 kg Sprengpulver verbraucht wurden.(2)

Mit dem Fortschreiten der Entfestigungsarbeiten musste Anfang Dezember 1920 schließlich auch ein neuer Lagerort für die Sprengmunition gefunden werden. Den deutsche Vorschlag, die Sprengstoffe im Bereich des Quartermaster-Depots zu lagern, lehnten die Amerikaner allerdings ab und verfügten stattdessen die Lagerung im Reduit der Feste Kaiser Franz.(3) Hier im Kriegspulvermagazin 1 unter dem Reduithof, das daher bis auf weiteres von der Zerstörung ausgenommen blieb, lagerten dann die nach dem endgültigen Abschluss der Sprengarbeiten im Juli 1921 verbliebenen 817 kg Sprengmunition.(4)

Mangels vorliegender Wochenberichte des Entfestigungsamts ist es dem Autor leider an dieser Stelle nicht möglich, den Fortgang der Arbeiten im Januar und Februar 1921 wiederzugeben. In beiden Monaten wurden kleinere Sprengarbeiten durchgeführt, zudem wurde die Kehlmauer zwischen Poterne und Reduit reduziert, wie der amerikanische Augenzeuge der YMCA-Kantine berichtet:

The work of demolishing the fort is still going on, in a steady although not quite so exciting a way. The solid walls, fifteen feet high, of stone and concrete are now being razed, but that is done by pick and shovel and the process, while not so dramatic as the diurnal upheavals of December and November, is quite as interesting in revealing new possibilities and wonderful views of the Rhine and its hills. The wall almost beside our hut is now going down. About four or five feet of it will be left, but the view across the valley and over to Ehrenbreitstein will be unimpeded and we shall revel in real pictures of sky meeting hill and twinkling distant lights and lifting mists, and every other beauty that makes the Rhineland so eternally romantic. A veranda on that side of our hut would complete the possibilities so unfolded.”(5)

Abb. 1: Sanierte Kehlmauer, 2019

In diesem Zustand blieb die Kehlmauer auf der linken Seite über Jahrzehnte erhalten, bevor sie 2019 im Rahmen der Arbeiten für den neuen Festungspark saniert wurde. Die Kehlmauer rechts vom Reduit ist wegen Bebauung derzeit nicht zugänglich.

Da für den Januar und Februar 1921 keine Angaben zu den Arbeiten an der Feste Kaiser Franz vorliegen, legen wir an dieser Stelle eine Pause ein. Im März geht’s dann weiter.

Matthias Kellermann

Anmerkungen

(1) Vgl. Bestandsmeldung des Entfestigungsamts Koblenz vom 04.12.1920 in: LHA Ko Best. 578,002 Nr. 3, Dokument Nr. 1271/20 und vom 07.01.1921, in: ebd., Dokument Nr. 34/21.
(2) Vgl. die jeweiligen Bestandsmeldung des Entfestigungsamts Koblenz, in: LHA Ko Best. 578,002 Nr. 3, Dokumente Nr. 200/21, 346/21, 510/21, 615/21, 745/21, 901/21 und 1037/21.
(3) Schreiben des Entfestigungsamts Koblenz Nr. 1302/20 vom 07.12.1920, in: LHA Ko Best. 578,002 Nr. 3, Dokument Nr. 1302/20.
(4) Vgl. Bestandsmeldung des Entfestigungsamts Koblenz vom 01.08.1921, in: LHA Ko Best. 578,002 Nr. 3, Dokument Nr. 1037/21.
(5) The army on the Rhine. The navy and the merchant marine in Europe. Übersetzung M. Kellermann: “Die Entfestigungsarbeiten am Fort schreiten weiter voran, in einer stetigen, nicht wirklich aufregenden Art. Die massiven Mauern, 15 Fuß hoch, aus Stein und Beton, werden nun niedergerissen, aber dies wird mit Hacke und Schaufel ausgeführt und der Vorgang, obwohl nicht so dramatisch wie die täglichen Aufruhre im Dezember und November, ist ebenso interessant, als sich hierdurch neue Möglichkeiten und traumhafte Ausblicke auf den Rhein und seine Höhen ergeben. Die Mauer in unmittelbarer Nähe unserer Baracke wird nun gerade abgerissen. Etwa vier bis fünf Fuß Höhe bleiben bestehen, wodurch der Blick über das Tal und rüber zum Ehrenbreitstein nicht gehindert wird und wir in Bildern von der Berührung des Himmels mit den Hügeln, dem Funkeln entfernten Lichts und aufsteigender Nebel schwelgen können, und in all den anderen Schönheiten, die das Rheinland für alle Ewigkeit so romantisch machen. Eine Terrasse an dieser Seite unserer Baracke würde die sich aus dem Abriss offengelegten Möglichkeiten ergänzen.

Abbildungen

Abb. 1: Foto M. Kellermann, 2019