Glossar

Armierung: Herstellung der Einsatzbereitschaft einer Festung im Kriegs- oder Krisenfalle

Bastion: Fünfeckiges, aus dem Festungswall hervorspringendes Bollwerk, bestehend aus je zwei Facen und je zwei Flanken, deren Abschluss zum Werk die Kehle bildet
Batterie: Geschützstellung
Blockhaus: Als Reduit genutztes, verteidigungsfähiges Gebäude, das üblicherweise in Holz, in Koblenz vielfach aber in Stein und Holz ausgeführt wurde (z. B. Rübenacher und Metternicher Schanze). Reine Holzblockhäuser wurden hier im Armierungsfall als vorübergehende Verstärkung gebaut (so z. B. auf dem Elling 1870) und später wieder abgebrochen.

Enceinte: Hauptwall eines Festungswerks
Enveloppe: Die gesamten vor der Enceinte gelegenen Werke, die eine zweite Umwallung vor dem Hauptwall bilden
Escarpe: Außenwand der Festungswerke zum Graben, die mitunter geböscht ist

Face: (frz. Gesicht) Außenseite eines Festungswerks, die direkt dessen Vorfeld bzw. dem Angreifer zugewandt ist
Facengraben: Graben in einer Face
Feste: siehe Veste
Flanke: Die rückwärts gerichtete Verbindung zwischen den Facen und den Kurtinen bei einer Bastion oder Lünette
Flankenbatterie: Eine Geschützstellung in einer Flanke
Flesche: (frz. flèche = Pfeil) Ins Glacis vorgeschobene Schanze in Form eines ausspringenden Winkels
Fort: Selbstständiges Festungswerk, das vorgeschoben vor der Hauptverteidigungslinie liegt (auch detachiertes Werk)
Fortifikation: Befestigung, hier speziell: Behörde, die vor Ort für den Unterhalt der Festung zuständig ist
Friedens-Pulvermagazin: In Leichtbauweise errichtetes Pulvermagazin, das sich außerhalb der Festungsmauern befindet. Hier lagert die Munition in Friedenszeiten, um eine potenzielle Gefährdung der Festungsbesatzung auszuschließen.
Front: Armierte, dem Angreifer zugewandte Seite eines Festungswerks oder eines Festungsabschnittes

Gegenmine: siehe Mine, Minenstollen
Geschossraum: Dient zur Zwischenlagerung der in der Geschossladestelle geladenen Granaten
Glacis: Flaches, zur Grabenaußenwand hin ansteigendes Gelände im Vorfeld des Festungswerks, das dem Angreifer keine Deckungsmöglichkeiten und dem Verteidiger somit ein freies Schussfeld bieten soll
Graben: Tiefer liegendes, durch Aushub künstlich vorbereitetes Hindernis, in Koblenz häufig mit gemauerten Grabenwänden
Grabenwehr: siehe Kaponniere

Hangar: Schusssicherer Hohlraum/Gebäude, in Koblenz z. B. auch Bezeichnung für frei stehende Mörserbatterien im Werkhof der Festen Kaiser Franz und Kaiser Alexander oder das ehemalige Pulvermagazin des Werks Pleitenberg
Hohlraum: Gegen feindliches Feuer geschützter Raum
Hohltraverse: siehe Traverse

Kaponniere: Auch Grabenwehr oder Grabenkoffer, ein- oder mehrstöckiges massives Gebäude im oder am Graben des Festungswerks, von wo aus dieser unter Beschuss genommen werden kann
Kasematte: Gemauerter unter- oder oberirdischer Hohlraum, sicher gegen Beschuss und zur Verteidigung vorbereitet
Kasemattenkorps: Mehrere nebeneinander liegende Kasematten (siehe auch Wallkasematte)
Kehle: Die dem Angreifer abgewandte Seite des Festungswerks
Kehlglacis: siehe Glacis
Kehlturm: Kaponniere in der Kehle eines Festungswerks
Kommunikation: Meist unterirdischer, in der Regel schusssicherer Verbindungsgang zwischen einzelnen Festungswerken oder -teilen
Konterescarpe: Äußere Wand des Grabens
Kontregarde: Ausspringender Winkel zum Schutz der Facen einer Bastion
Krenelierte Mauer: Eine mit Schießscharten versehene Mauer
Kriegs-Pulvermagazin: Beschusssicheres Magazin innerhalb der Festungsmauern. Im Armierungs- oder Angriffsfall wird die Munition hierhin verlagert, um sie dem Zugriff des Angreifers oder dem Beschuss zu entziehen. In Friedenszeiten lagert die Munition in Friedens-Pulvermagazinen.
Kurtine: Wall bzw. Mauer zwischen zwei Bollwerken oder Türmen

Ladesystem: In der Nähe einer Batterie im Festungswall integrierter Hohlraum zur Munitionsvorbereitung. Besteht aus Geschossladestelle, Verbrauchs-Pulvermagazin und Verbrauchs-Geschoss-Magazin.
Lünette: Pfeilförmiges, vorgeschobenes Festungswerk, im Umriss ähnlich der Bastion
Mine, Minenstollen: Unterirdischer Gang. Da eine Mine eigentlich vom Angreifer angelegt wird, ist hier die Gegenmine gemeint, d. h. ein vom Verteidiger angelegter Gang, der z. B. zur Sprengung im Vorfeld des Festungswerkes vorgesehen ist.
Minenvorhaus: Kleiner, gewölbter Hohlraum am Anfang der Mine
Mörserbatterie: Stellung für Wurfgeschütze mit kurzer Reichweite, von der aus das nähere Umfeld (Glacis) des Festungswerks unter Beschuss genommen werden kann

Polygonalsystem, Polygonalwerke: Festungswerke, die aus langen, nach Möglichkeit im stumpfen Winkel aufeinander treffenden geraden Fronten gebildet werden. Deren Verteidigung und die der Gräben erfolgt über massive Kaponnieren.
Poterne: Ausfallpforte, im Festungsbau der 2. Hälfte des 19. Jh. aber auch unterirdischer, gewölbter breiter Hohlgang durch das Festungswerk oder den Wall zur internen, vor Beschuss sicheren Kommunikation und Erschließung der Werksteile (sogenannte Kapitalpoterne)

Ravelin: Vor der Kurtine liegendes, mit Gräben umgebenes Werk, auch Halbmond oder Demi-Lune genannt
Rayon: Der Bereich um die Festungswerke, in dem nicht oder nur unter Auflagen gebaut werden darf. Geregelt wird der Rayon durch die Rayongesetze. In Preußen und so auch in Koblenz gibt es drei Rayons (I, II und III), die durch spezielle Grenzsteine, die Rayonsteine, gekennzeichnet sind.
Redoute: Eigenständiges Festungswerk, meist viereckig oder polygonal angelegt
Reduit: Schusssicherer, gemauerter Rückzugsraum oder -bau und Unterkunft der Festungsbesatzung, die sich von hier aus auch verteidigen kann, sollte der Angreifer die Gräben und Wälle überwinden. Wird häufig auch als das Kernwerk eines Festungswerks bezeichnet. Ihre exponierte Lage innerhalb der Festungswerke machte die Reduits mit fortschreitender Entwicklung der Geschütztechnik anfällig für Beschuss auch aus großer Distanz, sodass diese ab den 1870er Jahren nicht mehr gebaut wurden und stattdessen Wallkasematten und Kehlkasernen zur Unterbringung der Festungsbesatzung zur Ausführung gelangten.
Rondengang: Hier der Weg hinter der Escarpe, der deren einzelne, durch Stützpfeiler unterteilte Abschnitte miteinander verband. Sonst der Postenweg auf dem Glacis oder auf Mauern und Wällen (Wehrgang).

Saillant: Der Punkt eines Festungswerkes, an dem zwei Facen aufeinandertreffen, in der Regel die Spitze einer Bastion
Saillant-Kaponniere: Grabenwehr im Saillant, auch Spitzgrabenwehr genannt
Schanze: Kleineres Festungswerk, meist in Erde ausgeführt, umgeben von Wällen und Gräben. Die älteren Koblenzer Schanzen sind reine Erdwerke mit einem Blockhaus als Reduit und Pulvermagazinen als Einbauten im Wall, wohingegen z. B. die Arzheimer Schanze gemauerte Grabenwände und eine Wallkasematte in der Kehle besaß.
Schulter, Schulterpunkt: Der Punkt, an dem Face und Flanke zusammentreffen, z. B. bei einer Bastion
Schulter-Kaponniere: Grabenwehr an der Schulter eines Festungswerks

Train: Nachschubeinheit des Militärs
Traverse: Hinter der Brustwehr quer zu dieser errichteter, massiver (Volltraverse, in Erde oder gemauert ausgeführt) oder kasemattierter Wall (Hohltraverse). Die Traverse dient der Unterteilung des gedeckten Wegs hinter der Brustwehr in kleinere Verteidigungsabschnitte oder zum Unterstellen für die Festungsbesatzung und deckt die Wallgeschütze und Mannschaften gegen seitliches Feuer.
Trennungsgraben: Schmaler Graben z. B. vor einem Reduit oder einer Kaponniere als zusätzliches Hindernis für den Angreifer

Verbrauchs-Pulvermagazin: Magazin in unmittelbarer Nähe zur Batterie, in dem das Pulver für den direkten Einsatz gelagert wird
Verbrauchs-Geschoss-Magazin: siehe Geschossraum
Veste: Ursprünglich Burg, in Koblenz gebraucht zur Hervorhebung der Hauptwerke der Festungsabschnitte

Waffengang: siehe Rondengang
Waffenplatz: Auch Werkhof genannt, Innenraum des Festungswerks, meist unbebaut
Wall: Erdanschüttung z. B. vor und hinter dem Graben
Wallkasematte: Kasematte im bzw. unter dem Wall
Werk: Eine dauerhaft angelegte Anlage zur Verteidigung mit verschiedenen Ausprägungen (z. B. Flesche, Lünette, Redoute, Schanze)

Zitadelle: Selbstständiges Festungswerk oder in sich geschlossener, sich selbst verteidigender Abschnitt einer Befestigung, meist erhöht gelegen. Bezeichnet auch wichtige Einzelwerke einer Festung.

Bei Erstellung des Glossars wurde auf folgende Werke zurückgegriffen:
Glossarium Artis. Dreisprachiges Wörterbuch der Kunst. Hrsg. Von Rudolf Huber und Renate Rieth. Band 7. Festungen: der Wehrbau nach Einführung der Feuerwachen; systematisches Fachwörterbuch, 2., vollständig neu bearbeitete und erweiterte Auflage, München 1990
Wörterbuch der Burgen, Schlösser und Festungen, hrsg. von Horst Wolfgang Böhme, Reinhard Friedrich und Barbara Schock-Werner in Verbindung mit dem Europäischen Burgeninstitut, einer Einrichtung der Deutschen Burgenvereinigung e.V., Stuttgart 2004