Fundstück der Woche 31/2026

Die Hauptgrabenkaponniere II der Feste Kaiser Alexander, 1920/1922

Die Fundstücke der Woche sind zwei Fotografien von einer der drei Hauptgrabenkaponnieren der Feste Kaiser Alexander auf der Karthause. Diese Fotos wurden 1920 bzw. 1922 von Joseph Ring (1877-1933) angefertigt. Dabei handelt es sich wohl um die beiden bekanntesten Bilder der Entfestigung von Koblenz, von denen ca. 111 Fotografien mit verschiedenen Motiven überliefert sind. Da die Qualität der Fotos nicht an die z.B. im Koblenzer Stadtarchiv aufbewahrten Originalabzüge heranreicht, handelt es sich vermutlich um spätere Kopien der Bilder.

Abb. 1: Blick auf die Hauptgrabenkaponniere II in der Hauptfront der Feste Kaiser Alexander vor der Entfestigung, 1920

Die beiden Fotografien dokumentieren die ordnungsgemäß ausgeführten Entfestigungsarbeiten gegenüber den alliierten Kontrolloffizieren der I.M.K.K. Das erste Foto entstand 1920. Es zeigt die Hauptgrabenkaponniere II in der Hauptfront der Feste Kaiser Alexander. Sehr gut zu sehen sind im Vordergrund die freihstehende Eskarpe und im Hintergrund die Enveloppe III mit ihren Hohl- und Volltraversen.

Abb. 2: Die zerstörte Hauptgrabenkaponniere II während der Entfestigungsarbeiten, 1922

Das zweite Foto zeigt den gleichen Abschnitt während der Entfestigungsarbeiten 1922. Die Grabenmauern, die Kaponniere, die rückwärtigen Mauern der Enveloppe und die Hohltraversen sind bereits gesprengt. Gut zu sehen sind die Wagen der Schmalspurbahn, mit denen Steinmaterial oder Erde abtransportiert werden konnte. Vieles wurde per Handarbeit erledigt (zeitweilig waren über 450 Arbeiter auf der „Baustelle“ beschäftigt). Für die südliche Hauptfront der Feste Kaiser Alexander war vereinbart, dass das Gelände komplett eingeebnet werden sollte, um Bauland für die Stadt Koblenz zu schaffen. Hierfür wurde der Schutt auseinandergezogen und mit der Erde der Wallanlagen überdeckt.

Am 1. November 1922 endeten mit einem Monat Verspätung die Entfestigungsarbeiten an der Feste Kaiser Alexander. Trotz der widrigen Umstände – Inflation, schlechtes Wetter, Ersatzteilmangel – konnten damit die zeitlichen Vorgaben der Alliierten annähernd eingehalten werden. Hinzu kam, dass parallel auch bereits die vereinbarten Einebnungsarbeiten für die Stadt Koblenz zur Ausführung kamen, die noch bis in das Jahr 1923 fortgeführt wurden. Die Aufsiedlung des Geländes sollte aber schließlich erst in den 1930er-Jahren in Angriff genommen werden.

Matthias Kellermann

Abbildungen

Abb. 1+2: Sammlung M. Kellermann, Foto Joseph Ring, Koblenz, 1920 und 1922