Fundstück der Woche 03/2021

Die Amerikaner in Koblenz, 1919

Diese Woche wurde uns als Fundstück der Woche 03/2021 ein (mittlerweile) stiller Zeitzeuge zugespielt. Es handelt sich in der Tat um die verlorene Waffe eines amerikanischen Offiziers, die etwa 100 Jahre später wiedergefunden wurde.

Nach dem Ersten Weltkrieg entstand am Rhein eine demilitarisierte Zone. Es ist allgemein bekannt, dass die Franzosen hier die Region gerne behalten hätten und teilweise mit Willkür bis 1929 ihr „Recht“ durchgesetzt haben. Allerdings waren sie nicht alleine. Mit Sitz in Koblenz wurde eine „Interalliierte Rheinlandkommission“ (IRKO) eingesetzt, zu denen auch die Belgier, die Engländer und die Amerikaner gehörten.

Letztere sind in Koblenz nur bis 1923 geblieben. Diese ratifizierten allerdings den Versailler Vertrag nicht und schlossen am 25. August 1921 einen separaten Friedensvertrag mit Deutschland. Folglich zogen die amerikanischen Streitkräfte ab und verließen unsere Region. So beschränkt sich ihre Anwesenheit auf die Jahre 1918 bis 1923.

Abb. 1: Das Fundstück in seinem Zustand unbrauchbar und gilt somit als Dekowaffe. Privatsammlung des Autors, aus dem Nachlass von Jan Reuter (†)

Es ist die berühmteste Waffe der amerikanischen Streitkräfte. Der „Colt Single Action Army“ (kurz: „SAA)“ wurde bereits 1872 für die US-Cavallery entwickelt und 1873 eingeführt. Er ist auch bekannt als „Peacemaker“ oder als „Colt 45“, wegen seines Kalibers „.45 Long Colt“. In seine ursprüngliche Ausführung ist diese Waffe vor allem als Symbol des Wilden Westens bekannt und in vielen Western-Filmen zu sehen. Auch General Patton trug stets einen SAA, mit Elfenbein-Handgriff, mit dem er 1916 in Mexiko gegen Pancho Villa gekämpft hatte. Im Zweiten Weltkrieg und so bei seinem Einmarsch in Koblenz war er immer mit der Waffe an der Seite zu sehen.

Abb. 2: US Colt Artillery Model, ca 1895. Mike Cumpston, eigenes Werk, Lizenz CC BY-SA-3.0

Die Version, die wir hier sehen, ist eine später veränderte des SAA. 1893 hatte die US-Cavallery einen anderen und moderneren Colt-Revolver erhalten. In den Jahren 1895 und 1896 ließ dann die US-Regierung alte Colt 45 Revolver überarbeiten. Über 16 000 Waffen wurden verändert und auf andere Truppen verteilt. Im Vergleich zu der weltberühmten Kavallerie-Ausführung ist der Lauf verkürzt worden (von 19 auf 14 cm). Der Name „Artillery“ ist allerdings irreführend und hängt damit zusammen, dass die leichte Artillerie zuerst damit ausgerüstet wurde. Dieser Revolver wurde ebenfalls bei der Infanterie und bei der freiwilligen Kavallerie ausgeteilt.

Es ist allerdings nicht den ersten Spur, die wir von den Amerikanern haben. Auch über Knöpfe ihrer Uniformen haben wir bereits berichtet (siehe Fundstück der Woche 16/2020). Es ist allerdings wesentlich verständlicher, Knöpfe zu finden, die leicht von einer Uniformjacke abgerissen wurden, als einen ganzen Revolver.

Abb. 3: Knöpfe amerikanischen Uniformen. Privatsammlung des Autors, aus dem Nachlass von Jan Reuter (†)

Leider ist der genauere Fundort der Waffe nicht übermittelt worden, was vielleicht zum Verständnis der damaligen Situation hätte helfen können. Da die Amerikaner an der Feste Kaiser Franz stationiert waren, trugen die Offiziere der Infanterie dort ein solches Modell. So hätte dieser Revolver auch an der Feste Kaiser Franz gefunden werden können.

Jean-Noël Charon

Abbildungen

Abb. 1: Foto J.-N. Charon, 2020
Abb 2: Wikimedia Commons, User Hmaag, Lizenz CC BY-SA-3.0
Abb. 3: Foto J.-N. Charon, 2020