Fundstück der Woche 24/2026

Entfestigungspläne der Feste Kaiser Franz, 1920

Die Fundstücke der Woche 24/2026 sind einige Entfestigungspläne der Feste Kaiser Franz von 1920. Die aus den Beständen des Landeshauptarchivs in Koblenz stammenden Pläne können über APERTUS eingesehen und heruntergeladen werden. Urheber der Unterlagen ist das Entfestigungsamt Koblenz, aus deren Aktenbeständen die Pläne entnommen sind (Bestand 578,002 Nr. 4).

Der im Rahmen des 2. Bauabschnitts des Festungsparks Kaiser Franz hergestellte Grabenschnitt ermöglicht einen Vergleich zwischen den Schleifungsplänen des Entfestigungsamts (Bestand 702 Nr. 13937 oder 13938) und der tatsächlichen Ausführung der Entfestigung. Auf den Plänen ist z.B. zu sehen, dass die Grabenwände bis auf Höhe der Grabensohle zerstört werden sollten. Im Foto von 2026 ist allerdings gut zu erkennen, dass die innere Grabenwand nur im oberen Teil gesprengt worden ist (im Bild ist die Mauer mit Gabionen ergänzt). Der untere Teil ist noch im Original erhalten.

Abb. 1: Innere Grabenwand des linken Grabens mit ergänzenden Gabionen, 2026

Die Schleifungspläne sind unter den folgenden Links bei Apertus zu finden:

Bestand 702 Nr. 13937: „Kernwerk der Feste Franz (Schnitte). Wie Nr. 13938 mit Einzeichnung höherer Schüttungsflächen“, Entfestigungsamt Koblenz, September 1920

Bestand 702 Nr. 13938: „Kernwerk der Feste Franz (Schnitte). Schnitt durch Wall und Graben, Höhenangaben, Einzeichnung der Abtragungs- und Anschüttungsflächen, Normalfläche, zu zerstörendes Mauerwerk„, Entfestigungsamt Koblenz, September 1920

Bestand 702 Nr. 13940: „Kernwerk der Feste Franz (Schnitte)„, Entfestigungsamt Koblenz, Mai 1920

Bestand 702 Nr. 13941: „Kernwerk der Feste Franz. Grundriß, Schnitte, Entfestigungsmaßnahmen„, Entfestigungsamt Koblenz, Juni 1920

Bestand 702 Nr. 15258: „Kernwerk der Feste Franz. Wie Nr. 13941 mit Hervorhebung der Entfestigungsmaßnahmen, farbig auf Blaupause; Anmerkungen angeheftet„, Entfestigungsamt Koblenz, Juni 1920

Bestand 702 Nr. 15262: „Kernwerk der Feste Franz (Schnitte). 9 Schnitte mit farbigen Einzeichnungen der Entfestigungsmaßnahmen“, Entfestigungsamt Koblenz, Mai 1920

Die Geschichte der Entfestigungspläne begann im Frühjahr 1920. Um eine Übersicht der auf deutscher Seite vorhandenen Festungswerke zu erhalten, hatte die für die Entfestigung zuständige Interalliierte Militär-Kontrollkommission (I.M.K.K.) am 12. März 1920 bei der deutschen Hauptverbindungsstelle umfangreiches Kartenmaterial und Zustandsbeschreibungen angefordert. Für jeden Festungsplatz sollte eine „Gesamtkarte von 1:25000 der Werke und Anlagen“ übersandt werden. Zusätzlich forderte die Kommission für jedes einzelne Werk „einen Gesamtplan des Werkes in einem Mssstabe [sic!] der nicht kleiner sein darf, als 1:1000“ sowie „einen Plan der Einzelheiten, der nicht kleiner sein soll, als 1:200“. Zusätzlich sollte noch „eine beschreibende Denkschrift“ beigefügt werden, aus der die Geschichte und eine Bestandsbeschreibung der jeweiligen Werke hervorging.(1)

Die deutsche Antwort auf diese Forderung war ausweichend formuliert. Während die Übersichtskarten der einzelnen Festungsstandorte bald nach der Anfertigung übersendet werden sollten, wich man bei den Detailkarten aus. Derartige Pläne würden nicht zentral „in Berlin oder anderswo“ gelagert, sondern wären bei den einzelnen Fortifikationen vor Ort zu finden oder müssten – im ungünstigsten Falle – eigens angefertigt werden. Da es nach deutscher Auffassung im Interesse der Aliierten liegen mußte, Kartenmaterial vor Ort vorzufinden, lehnten die Deutschen eine Übersendung der „oft nur noch in einer Ausfertigung“ vorliegenden Pläne ab. Die einzige Möglichkeit wäre demnach die zeitraubende Anfertigung neuer Karten, was „den Beginn der praktischen Arbeit unabsehbar verzögern“ würde.(2)

An dieser Stelle drängt sich der Verdacht auf, daß die deutsche Seite durch das Zurückhalten der Pläne Zeit gewinnen wollte, doch leider vergeblich. Am April 1920 forderte die I.M.K.K. erneut die Übersendung von Plänen im Verhältnis von 1:25000,(3) worauf die Deutschen schließlich einsehen mussten, dass „der Versuch, der Interall. Kommission die Herausgabe von Einzelplänen vorzuenthalten,“ nicht das gewünschte Ergebnis erzielt hatte.(4) Am 30. Juni 1920 kam man der Aufforderung der Alliierten nach(5) und beschloss außerdem, der Forderung auf „Überlassung von Einzelplänen“ zu nachzukommen.(6)

Die eigentlichen Schleifungspläne wie auch die Erhaltungsanträge waren „stets in 7 facher Ausfertigung“ zu erstellen und an die Reichsvermögensverwaltung Koblenz zu übersenden. Eine davon gelangte schließlich an die deutsche Verbindungsstelle in Köln, die mit der Unterkommission für Festungen der I.M.K.K. in Kontakt stand.(7) Die Abläufe blieben aber weiterhin sehr schleppend. So wurden beispielsweise die Schleifungspläne für die Feste Kaiser Franz, die Bubenheimer Flesche und die Rübenacher und Metternicher Schanze bereits Ende Juni 1920 vom Entfestigungsamt an die deutsche Verbindungsstelle Köln gesendet,(8) die diese aber erst knapp einen Monat später an die I.M.K.K. weitergab.(9)

Damit war die Arbeit des Entfestigungsamts an den Festungsplänen aber noch nicht beendet. Am 1. Oktober 1920 hatte die I.M.K.K. die Schleifungspläne für jene Werke angefordert, die bislang von der Zerstörung ausgeschlossen worden waren. Als Frist wurde der 1. Dezember 1920 festgesetzt. Von deutscher Seite hatte man bis zu diesem Zeitpunkt nur Pläne für die Anlagen vorgelegt, deren Schleifung unmittelbar bevorstand.(10) Da verschiedene Werke wie z.B. die auf der rechten Rheinseite zunächst erhalten bleiben sollten, hatte man von deutscher Seite vermutlich auf lange Sicht nicht mit derartigen Forderungen gerechnet. So verwundert es nicht, dass „wesentliche Vorarbeiten zur Aufstellung dieser Pläne“ zu diesem Zeitpunkt „noch nicht ausgeführt“ worden waren, sodass die Fertigstellung vor dem 1. Februar 1921 nicht realisierbar erschien. Folgerichtig beantragten die Deutschen eine Fristverlängerung.(11)

Ob diese Verlängerung tatsächlich nötig gewesen wäre bleibt offen. Die Schleifungspläne der rechtsrheinischen Festungswerke datieren größtenteils auf Oktober und November 1920, lediglich der Plan für das Werk Pleitenberg ist mit Dezember 1920 angegeben. Eine besondere Stellung nimmt hierbei die Feste Ehrenbreitstein ein, von der es auch noch Pläne vom Februar 1921 gibt. Diese blieb ja, wie bekannt ist, schließlich von der Entfestigung ausgeschlossen.

Matthias Kellermann

Anmerkungen

(1) Schreiben der I.M.K.K. Nr. 3922 vom 01.10.1920, in: Landeshauptarchiv Koblenz (LHA Ko) Bestand 578,002 Nr. 4, Anlage zu Dokument Nr. 109/20.
(2) Schreiben der Hauptverbindungsstelle der Heeresfriedenskommission Nr. F 30/20 vom 16.04.1920, in: LHA Ko Bestand 578,002 Nr. 4, Dokument ohne Nr.
(3) Vgl. Schreiben der I.M.K.K. Nr. 707 vom 30.04.1920, in: LHA Ko Bestand 578,002 Nr. 4, Dokument Nr. 109/20.
(4) Schreiben der Hauptverbindungsstelle der Heeresfriedenskommission Nr. F 100.20 vom 06.05.1920, in: LHA Ko Bestand 578,002 Nr. 4, Dokument Nr. 109/20.
(5) Vgl. Schreiben des Entfestigungsamts Koblenz vom 30.06.1920, in: LHA Ko Bestand 578,002 Nr. 4, Dokument Nr. 109/20.
(6) Schreiben der Hauptverbindungsstelle der Heeresfriedenskommission Nr. F 429.20 vom 19.07.1920, in: LHA Ko Bestand 578,002 Nr. 4, Dokument Nr. 460/20.
(7) Schreiben der Reichsvermögensverwaltung Koblenz.
(8) Vgl. Schreiben des Entfestigungsamts Koblenz vom 23.06.1920, in: LHA Ko Bestand 578,002 Nr. 4, Dokument Nr. 261/20.
(9) Vgl. Schreiben der Hauptverbindungsstelle der Heeresfriedenskommission Nr. 440/20 vom 20.07.1920, in: LHA Ko Bestand 578,002 Nr. 4, Dokument Nr. 440/20.
(10) Vgl. Schreiben der I.M.K.K. Nr. 372 vom 12.03.1920, in: Landeshauptarchiv Koblenz (LHA Ko) Bestand 578,002 Nr. 4, Anlage zu Dokument Nr. 846/20.
(11) Schreiben des Reichsvermögensamts Koblenz Nr. V.4/1183.20 vom 15.10.1920, in: LHA Ko Bestand 578,002 Nr. 4, Dokument Nr. 986/20.

Abbildungen

Abb. 1: Foto M. Kellermann, 2026