Station 1 – Das Kriegspulvermagazin 1

Zur Baubeschreibung und zum geschichtlichen Hintergrund

Das Kriegspulvermagazin 1 der Feste Kaiser Franz wurden zwischen Frühjahr 1817 und September 1819(1) unter dem Innenhof des Reduits errichtet. Durch diese Lage im Schatten des massiven Reduits war es vor Beschuss von Westen optimal geschützt. Das Magazin schließt in östlicher Richtung, wo sich das halbkreisförmige Gebäude zum Ehrenbreistein hin öffnet, mit dem Berghang des Petersbergs ab. Die äußere Wand des Magazins bildet hier zugleich auch den oberen Teil der westlichen Abschlussmauer des Kehlturm-Innenhofs. An dieser Stelle befand sich, auf einem großen halbrunden Treppenabsatz, auch der Haupteingang in das Magazin. Die rundbogige Zugangstür wurde von zwei kleinen “Rechteckfenstern flankiert“. Am rechten und linken Treppenaufgang befanden sich, oberhalb eines weiteren Treppenabsatzes, außerdem jeweils eine kreisrunde Öffnung, sowie unterhalb des Absatzes eine halbkreisförmige sog. “Lünettenöffnung“.(2)

Abb. 1: Eingang in das KPM 1 vom Kehlturm aus, 1825

Das Magazin nahm den vollständigen Raum zwischen der südlichen Rampe und dem nördlichen Treppenabgang ein. Es bestand vermutlich aus drei etwa gleich breiten Räumen, wobei der mittlere Raum, bedingt durch den davor liegenden, durch Mauern abgetrennten Haupteingang, nicht so tief wie sie beiden seitlichen war. Hinter dem mittleren Raum befand sich außerdem ein schmaler Luftschacht, der verhindern sollte, dass über eine Verbindung mit dem Erdreich unter dem Reduitinnenhof Feuchtigkeit in das Magazin eindringen konnte. Die beiden Seitenräume waren durch schmale Gänge mit den benachbarten Kasematten verbunden.(3) Das Kriegspulvermagazin war eingeschossig und hatte in etwa die Höhe der Tür des Hauptzugangs, die Tiefe entsprach etwa der Länge der Rampe zum Kehlturm. Die drei Räume verfügten vermutlich über einen Holzboden, dessen Unterkonstruktion aus Holzbalken zur besseren Belüftung “auf kleinen gemauerten Pfeilern” auflag.(4) Ob alle drei Räume oder nur der mittlere für die Lagerung der Pulverfässer genutzt wurde ist nicht bekannt.

Mit der Einführung gezogener Geschützrohre ab der Mitte des 19. Jahrhunderts verbesserte sich die Reichweite der Artillerie erheblich. Fortan war es möglich, Ziele wie die Stadt Koblenz oder in unserem Fall die sie umgebenden Festungswerke auch aus großen Entfernungen zu beschießen. Um dem entgegen zu wirken, wurden an der Festung Koblenz und Ehrenbreitstein von 1862 bis 1869 “mancherlei Correcturbauten [sic!] und Ergänzungen” vorgenommen. Diese Arbeiten wurden unter dem Schlagwort “Verstärkungs-Bauten” zusammengefasst.(5) Eine eigens im März 1861 einberufene “Lokal-Kommission” stellte in diesem Zusammenhang fest, dass eine Reihe der vorhandenen Kriegspulvermagazine der Festung hierdurch besonders gefährdet waren. Zugleich war man der Meinung, dass im Kriegsfall die Lagerkapazitäten für Pulver u. a. auch in der Feste Kaiser Franz zu gering seien.(6)

Zwei Varianten wurden damals erwogen: Zum einen im Juli und August 1862 der Neubau zweier Magazine unter dem Reduitinnenhof, zum anderen im November 1862 der Umbau des bereits vorhandenen,(7) für den man sich dann auch entschied. So kam es, dass im Laufe des Jahres 1863 das Kriegspulvermagazin 1 unter dem Reduitinnenhof der Feste um- und gleichzeitig ausgebaut wurde: “Das Magazin unter dem Reduithofe vom Kernwerk Franz wurde längs der Reverswand 14 Fuß [= ca. 4,39 Meter] tief mit Boden ausgestampft und dahinter durch eine Scheidemauer geschlossen. Es behielt dadurch gesicherten Lagerraum für 322 Tonnen [Pulver].”(8) Im Zuge des Umbaus wurden der alte Zugang, die beiden Rechteckfenster und vermutlich auch die runde Öffnung am südlichen Treppenabsatz vermauert, während die Öffnung am nördlichen Absatz zu einem großen Fenster oder einem neuen Zugang erweitert wurde. Auf annähernd gleichem Grundriß – der südliche Seitenraum wurde im Bereich der Rampe verkürzt – entstanden acht kleinere Räume, die vermutlich fortan alle zur Lagerung des Pulvers und/oder von Munition genutzt wurden.(9)

Abb. 2: KPM 1 im Jahre 1863 nach dem Umbau, 1867, berichtigt 1882

Wie lange das Magazin unter dem Reduitinnenhof tatsächlich für die Pulverlagerung genutzt wurde ist nicht bekannt. Noch einmal zum Einsatz kam das Kriegspulvermagazin aber definitiv während der Entfestigung der Feste Kaiser Franz nach dem Ersten Weltkrieg. Mit dem Fortschreiten der Entfestigungsarbeiten am Festungswerk musste nämlich Anfang Dezember 1920 ein neuer Lagerort für die bislang in einem Raum auf dem rechten Wall gelagerte Sprengmunition gefunden werden. Die amerikanische Besatzung verfügte daher die Lagerung der verbliebenen 817 kg Sprengstoff im Magazin 1.(10) Von der vorgesehenen Zerstörung rückten die Alliierten aber nicht ab: Am 11. April 1922 begannen schließlich die Entfestigungsarbeiten am Pulvermagazin,(11) die am 20. Juli des Jahres beendet waren. Dabei wurden “die Decke und die Widerlager […] zerstört” und die Hohlräume verfüllt.(12) In diesem Zustand blieb das Magazin für den Rest des Jahrhunderts.

Es sollte bis 2008 dauern, bevor wieder Arbeiten an dem Kriegspulvermagazin 1 stattfanden. Ziel der von den Männern der CarMen gGmbH durchgeführten Maßnahme war allerdings nicht die Freilegung des gesamten Magazins, sondern die Wegnahme eines Teils des Füllmaterials, um die westliche Kopfwand des Kehlturm-Innenhofs zu entlasten.

Matthias Kellermann

Anmerkungen

(1) Vgl. die Baudaten bei Weber, Klaus T.: Die preußischen Festungsanlagen von Koblenz (1815-1834), Weimar 2003, S. 231f. (künftig: Weber, Festungsanlagen). Der genaue Erbauungszeitraum des Magazins ist leider nicht bekannt.
(2) Ebd., S. 236. Siehe auch die Ansicht der westlichen Kopfwand des Kehlturm-Innenhofs von Oberleutnant Roehmer, Juni 1825, in: GStA PK, XI. HA Karten, Kriegsministerium, Festungspläne, A 70309.
(3) Siehe Zeichnung des Jos. Reindl von 1826, Ausschnitt aus KA/Wien G Ic 274-12, Abb. in: Weber, Festungsanlagen, S. 497, Abb. 153.
(4) Prittwitz und Gaffron, Moritz von: Lehrbuch der Befestigungskunst und des Festungskrieges, Berlin 1865, Eintrag 617, S. 319. Siehe den Schnitt durch das Pulvermagazin von Oberleutnant Roehmer, Juni 1825, in: GStA PK, XI. HA Karten, Kriegsministerium, Festungspläne, A 70309.
(5) StAK HK 11 Dzi: Dziobek, Ernst: Kriegs- und Befestigungsgeschichte von Coblenz und Ehrenbreitstein, Koblenz 1834, darin: „Festungs-Geschichte von Coblenz und Ehrenbreitstein 1834 bis 1905“ (künftig: StAK HK 11 Dzi, Festungs-Geschichte), Blatt 42.
(6) Ebenda, Blatt 29.
(7) Siehe Entwurf zweier Kriegspulvermagazine unter dem Hofraum des Kernwerks vom Juli 1862, berichtigt August 1862, in: GStA PK, XI. HA Karten, Kriegsministerium, Festungspläne, A 70501 sowie Entwurf zum Umbau des Kriegspulvermagazins unter dem Reduithof des Kernwerks vom November 1862, in: GStA PK, XI. HA Karten, Kriegsministerium, Festungspläne, A 70479.
(8) StAK HK 11 Dzi, Festungs-Geschichte, Blatt 29f.
(9) Siehe den Grundriss des umgebauten Pulvermagazins im Plan des Kernwerks nach den Korrekturen von 1864-1867 vom August 1882, in: GStA PK, XI. HA Karten, Kriegsministerium, Festungspläne, A 70294.
(10) Vgl. Bestandsmeldung des Entfestigungsamts Koblenz vom 01.08.1921, in: LHA Ko Best. 578,002 Nr. 3, Dokument Nr. 1037/21.
(11) Vgl. Wochenbericht des Koblenzer Entfestigungsamts vom 13.04.1922, in: Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes (PA AA), Bestand und Aktennummer nicht bekannt.
(12) Verhandlung über die Ausführung von Schleifungsarbeiten an Festungsanlagen in Coblenz, die in Ausführung des Artikles 180 des Friedensvertrags von Vesailles vorgenommen worden sind, hier Feste Kaiser Franz, KPM 1, 22.12.1922, in: LHA Ko Best. 578,002 Nr. 6, Dokument ohne Nr.

Abbildungen

Abb. 1: Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz (GStA PK), XI. HA, FPK, A Nr. 70309 (Ausschnitt Kehlturm), Public Domain Mark 1.0
Abb. 2: GStA PK, XI. HA, FPK, E Nr. 70294 (Ausschnitt), Public Domain Mark 1.0