Tag des offenen Denkmals® 2021 – Station 6

Von der Bodelschwinghstraße zum Volkspark – die unterirdischen Hohlgänge der Feste Kaiser Franz

In Station 6 begeben wir uns ungesehen von dem ehemaligen Werkeingang der Feste Kaiser Franz an der Ecke Mayener Straße / Bodelschwinghstraße zum Lützeler Volkspark auf dem Gelände der ehemaligen Bubenheimer Flesche. Vor der Entfestigung 1920/1921 war ein solcher „Spaziergang“ durch die unterirdischen Tunnel auf dem Petersberg ohne Probleme möglich. Heute sind die Hohlgänge an verschiedenen Stellen unterbrochen, was das Fortkommen im Untergrund leider unmöglich macht.

Beginnen wollen wir unseren Weg an der Hauptpoterne der Feste Kaiser Franz. Dieser überdimensionale Hohlgang, hier ein Bild von 2008, war ursprünglich der einzige Weg in das Festungswerk – und auch wieder hinaus. Wegen akuter Einsturzgefahr ist die Poterne seit 2019 gesperrt. Derzeit laufen am Gebäude Sicherungsmaßnahmen, um die Standsicherheit des Bauwerks zu gewährleisten, bis die Sanierungsmaßnahmen begonnen werden können.

Abb. 1: Hauptpoterne der Feste Kaiser Franz, 2008

Parallel zum nördlichen Abschnitt des Gebäudes verläuft ein schmaler Hohlgang, der ursprünglich die Poterne unterirdisch mit dem Reduit des Festungswerks verband. Bedingt durch die Sprengung zweier Kriegspulvermagazine nahe der linken Kehlmauer der Feste Kaiser Franz war der Tunnel fast 100 Jahre lang an zwei Stellen unterbrochen. Im Zuge der Arbeiten am neuen Festungspark wurde der Hohlgang an der ersten Sprengstelle im Herbst bzw. Winter 2019 / Frühjahr 2020 freigelegt und wieder hergestellt.

Abb. 2 – Abb. 4 (Slideshow)

Am Ende des schmalen Hohlgangs angekommen, boten sich den Soldaten zwei Möglichkeiten: Zum einen der Zugang in das Reduit über das südliche Treppenhaus (heute verschüttet bzw. im oberen Bereich zerstört) und zum anderen der Zugang in die Ringpoterne unter dem Gebäude. Von letzterem Gang führten Horch- bzw. Gegenminengänge unter das dem Reduit vorgelagerte Gelände hinaus.

Abb. 5: Ringpoterne unter dem Reduit mit sternförmig abgehenden Gegenminengängen, 1820er-Jahre
Abb. 6: Blick in die Ringpoterne unter dem Reduit, 2018

Die Minengänge an Kernwerk waren eigentlich während der Entfestigung in den 1920er-Jahren unbrauchbar zu machen, sei es durch Vermauern des Eingangs oder Sprengung desselben. Beides wurde anscheinend nicht mit der gebotenen Sorgfalt ausgeführt, sodass diese möglicherweise in den 1930er-Jahren aus Luftschutzgründen geöffnet oder wiederhergestellt wurden. Heute sind die Gänge zwar zum größten Teil offen, von einer Begehung ist aber dringend abzuraten.

Abb. 7: Blick in einen Gegenminengang, 2018

Am Ende der Ringpoterne angekommen, konnten die Soldaten in die Kommunikation zur Bubenheimer Flesche wechseln. Dieser breite Hohlgang, der bis in den Sommer 1920 die beiden Werke verband, ist heute nur noch in Abschnitten vorhanden. Im Zuge der Entfestigungsarbeiten wurde der Gang im Herbst des gleichen Jahres an mehreren Stellen gesprengt, um ihn unbrauchbar zu machen. Die äußere, mit Schießscharten versehene Mauer des Tunnels blieb dabei allerdings als Stützmauer erhalten.

Abb. 8: Blockierte Kommunikation zur Bubenheimer Flesche, 2018

Da uns der weitere Weg Richtung Bubenheimer Flesche an dieser Stelle versperrt ist, endet hier für den Moment der Rundgang durch die unterirdischen Gänge der Feste Kaiser Franz.

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Abbildungen

Abb. 1, 2, 4: Fotografien M. Kellermann
Abb. 3, 6-8: Fotografien R. Arenz
Abb. 5: GStA PK, XI. HA, FPK, A Nr. 70310 (Ausschnitt), Public Domain Mark 1.0